Smart dolly is calling

Intelligentes Ortungssystem für Flughafenbodengeräte

Ein normaler Tag auf einem großen deutschen Flughafen: Flughafenschlepper flitzen kreuz und quer über das Flugfeld, mit einem oder mehreren Anhängern, den so genannten Dollies, im Schlepptau. Die Dollies transportieren Gepäck und Fracht oder verteilen Verbrauchsmaterialien. Doch etliche Transportanhänger stehen verlassen auf dem Flugfeld und in den angrenzenden Hallen herum.

"Bei einem großen Flughafen können schon einmal Hunderte oder sogar Tausende von Dollies ungeordnet abgestellt sein", erzählt Ralf Herzog, Geschäftsführer der Blumenbecker Technik GmbH. Die Folge: viel Sucharbeit für die Schlepper- Fahrer, gerade wenn es darum geht, einen ganz bestimmten Transportanhänger zu finden. Eine Situation, die Blumenbecker und das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg gemeinsam ändern wollen.

Blumenbecker entwickelt und baut seit über 30 Jahren Flughafenbodengeräte und übernimmt auch deren Wartung und Instandhaltung. Jetzt entwickelt der Spezialist für Dollies, Fahrgasttreppen und Co. zusammen mit dem Forscherteam um Hon.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Richter vom Fraunhofer IFF ein intelligentes Ortungssystem für Flughafenbodengeräte.

Gezielte Informationsvermittlung

Herzstück der Entwicklung sind Funksensoren, die an den Dollies befestigt werden. Diese GSE Tracker übermitteln in Echtzeit die genaue Position sowie Status-Informationen der Dollies an einen zentralen Leitstand. Hier laufen die Informationen sämtlicher Transportanhänger zusammen.

Das System weiß exakt, wo sich jeder einzelne Dolly befindet, ob dieser abgestellt oder angekoppelt ist und ob er mit Fracht beladen oder leer ist. Diese Informationen leitet das System an die Schlepper-Fahrer auf dem Flugfeld weiter, die dann den gewünschten Dolly gezielt ansteuern können.

Marktreife im Herbst 2018

Seit Februar läuft ein Pilotprojekt am Leipziger Flughafen, bei dem sich das intelligente Ortungssystem einem fundierten Praxistest unterzieht. 30 Flugbodengeräte wurden dafür mit einem Funksender ausgestattet und eine entsprechende Funktechnologie installiert. Die Marktreife des Produktes ist für Herbst 2018 geplant.

 

Video: Intelligentes Ortungssystem
Smart Dolly

3 Fragen an... Hon.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Richter

Hon.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Richter ist Leiter des Kompetenzfelds Materialflusstechnik und -systeme am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF und Leiter des Lehrstuhls für Materialflusstechnik an der Universität Magdeburg.

 

     

1. Alternative Ortungssysteme haben ihre Probleme bei Gebäuden. Wie ist das beim Smart Dolly?

"Es stimmt, GPS-basierte Ortungssysteme funktionieren in der Nähe großer Gebäude nicht zuverlässig. Häufig reißt die Funkverbindung sogar komplett ab. Deshalb setzt der Smart Dolly parallel auf eine lokale Ortungstechnologie, die über das Messen der Feldstärke die Position ermittelt. So können wir jeden Standort zuverlässig erfassen, auch wenn der Dolly neben oder sogar in einem geschlossenen Gebäude steht. Hinzu kommt die energiesparsame Wireless- Technologie LoRa aus dem Internet der Dinge, die eine hohe Reichweite besitzt und den Datentransfer zum Leitstand dauerhaft und in Echtzeit garantiert."

2. Bitte ganz konkret: Welchen Nutzen bietet der Smart Dolly den Flughafenbetreibern und Dienstleistern?

"Das intelligente Ortungssystem lässt logistische Prozesse am Flughafen deutlich strukturierter ablaufen als bisher. Das ist in Zeiten des zunehmenden Luftverkehrs immens wichtig. Wer keine neuen Start- und Landebahnen oder Terminals bauen kann, muss die bestehende Infrastruktur so effizient wie möglich nutzen. Smarte Dollies helfen dabei. Auch die Instandhaltung profitiert vom Smart-Faktor der Transportanhänger. Auf der Grundlage der übermittelten Daten lassen sich Betriebsprofile erstellen. Diese ermitteln die individuelle Belastung und berechnen für jeden Dolly den nächsten Wartungstermin. Eine derart zielgenaue Wartung gewährleistet die permanente Sicherheit und Funktionalität der Betriebsmittel und spart Ressourcen."

3. Lässt sich die intelligente Ortungstechnologie auf andere Branchen übertragen?

"In jedem Fall. Zurzeit unterstützen wir ein Unternehmen bei der Entwicklung intelligenter Kunststoffpaletten. Durch das so genannte Taggen der wiederverwendbaren Paletten ist eine lückenlose Warenverfolgung von der Produktion über die Lagerung bis zum Kunden möglich. Auch das Leergutmanagement kann durch die Ortungstechnologie optimiert werden. Stabile Kunststoffpaletten halten Einzug in offenen Palettenpools."